miromente ;)

miromente ;)  -  Mai 2016

WOLFGANG MÖRTH
Fenster zum Hof

GERHARD WOLF
Fotomoticons

12. HARDER LITERATURPREIS
KATHARINA HARTWELL
Das Foto der Katze in der Wohnung des toten Mannes

FÖRDERPREIS
KATHARINA PAUL
Frau mit Fernglas und Fenster. Gerahmt.

FÖRDERPREIS
EVA WOSKA-NIMMERVOLL
Heinz

KERSTIN CAMPBELL
Mit Sicherheit

ANJA CHRIST
Jalousie am Fenster

GERHARD DICK
Leihmutterpark

KARL KREINER
Souvenir

STEFAN PETERMANN
Nachts schreit ein Mann

ULRIKE SYHA
BURNING

 

„Fenster zum Hof“
Vorwort von Wolfgang Mörth

Dieses miromente-Heft ist etwas Besonderes. Nicht nur, weil es das erste mit einem farbigen Umschlag und ohne fortlaufende Nummer ist, sondern weil alle darin enthaltenen Geschichten vom selben Thema angeregt wurden, was in den zehn Jahren seit Gründung der Zeitschrift erst zum zweiten Mal der Fall ist. Grund ist die Kooperation, die wir mit den Veranstaltern des Harder Literaturpreises und des Literaturfestivals hardcover eingegangen sind. Deshalb auch das emoticon auf dem Titel als grafischer Verweis auf das dreitägige Festival, das heuer die Preisverleihung zum dritten Mal programmatisch umrahmte.

Das Thema des 12. Harder Literaturpreises 2016 lautete „Fenster zum Hof“. Die damit verknüpften Vorstellungen und Erwartungen waren natürlich vom ähnlich lautenden Titel des 1954 erschienenen Thrillers von Alfred Hitchcock inspiriert, das heißt, die Geschichten sollten im weitesten Sinn von den Mutmaßungen über eine aus der Deckung heraus beobachtete Welt handeln. „Wobei“, wie im Ausschreibungstext zu lesen war, „der Blick selbstverständlich andere als voyeuristische Ursachen haben kann, die Welt größer oder auch kleiner als ein Häuserblock sein darf und der Plot nicht unbedingt ein kriminalistischer sein muss.“

Es ging bei der Beurteilung der Geschichten also nicht nur um Hitchcock als „Synonym für Suspense“ (Peter Bogdanovich). Auch eine andere Stärke des Regisseurs, nämlich immer „die feine Grenze zwischen Komödie und Tragödie auszuloten“, wie er selbst seine Arbeitsweise einmal charakterisierte, schien ein Entscheidungskriterium für die Jury gewesen zu sein.

Schon der Titel von Katharina Hartwells Geschichte Das Foto der Katze in der Wohnung des toten Mannes, mit der sie den diesjährigen Harder Literaturpreis gewonnen hat, weist in diese Richtung, und Sätze wie: „Ich hätte beinahe geweint, als ich vom Tod des toten Mannes erfuhr, nicht, weil ich traurig war, sondern weil ich seinen Tod verpasst hatte“, bestätigen den darin angedeuteten schwarzen Humor. Katherina Paul wiederum, die Gewinnerin eines der beiden Förderpreise, verwendet in ihrer Erzählung Frau mit Fernglas und Fenster. Gerahmt bewusst Textelemente wie: „Sie hat noch nie wen gestoßen, sie verstößt nicht, sie stößt sich daran, aber bevor es anstößig wird, stößt sie es von sich“, um damit den Ernst des Geschilderten sprachspielerisch zu untergraben. Und der Protagonist der Geschichte Heinz von Eva Woska-Nimmervoll, der anderen Förderpreisträgerin, ist ohnehin der Prototyp eines tragisch-komischen Helden, vor allem, wenn er mit einem Besen bewaffnet versucht, seinen Hund, „der, im Gegensatz zu den meisten anderen Hunden, keine besonders gute Menschenkenntnis“ hat, gegen einen aufgebrachten Hausmeister zu verteidigen.

Neben diesen drei Texten enthält das Heft sechs weitere Geschichten, deren formale und inhaltliche Qualität der Jury besonders aufgefallen sind. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Information, dass die Identität der Autorinnen und Autoren erst bekannt gegeben wurde, nachdem alle Entscheidungen gefallen waren.Die miromente-Redaktion gratuliert den Preisträgerinnen, sowie allen Autorinnen und Autoren, deren Texte es in die hier vorliegende Nummer geschafft haben. Und unseren Abonnentinnen und Abonnenten wünschen wir eine anregende Lektüre.