miromente 60 ;]

Zum dritten Mal seit 2016 ist die miromente Kooperationspartnerin des
Harder Literaturpreises und dient somit als Publikationsplattform für jene Geschichten, die von einer sachkundigen Jury in einem anonymisierten
Verfahren ausgewählt wurden. Für die Auswahl verantwortlich waren die-
ses Mal Frauke Kühn, Geschäfts-führerin des Literaturhauses Vorarlberg,
Manuela Schwärzler, Germanistin von der Universität Innsbruck, die
Schweizer Autorin Tabea Steiner, die beiden Autoren Jürgen-Thomas Ernst und Constantin Göttfert, sowie die Literaturwissenschaftlerin Manu-
ela Schwärzler, (ein Name, der zufällig zwei Mal vertreten war), die als Juryvorsitzende fungierte. In ihrem Vorwort auf der folgenden Seite geht sie auf den Inhalt der preisgekrönten Texte und auf die näheren Umstände
der Preisverleihung ein.

Fehlt nur noch der Hinweis auf die in Wien lebende Vorarlberger Grafi-
kerin Petra Zündel, die für ihre Bearbeitung der Autor*innen-Fotos mit einem interessanten Wahrnehmungseffekt spielt: je größer der Abstand zu den Bildern wird, bzw. je mehr die Details ineinander verschwimmen,
umso besser sind die Abgebildeten zu erkennen. Es wäre eine Überlegung
wert, inwieweit dieser Effekt auch auf das Verständnis literarischer Texte zutrifft.

Wolfgang Mörth

miromente 60 ;] – Juni 2020


MANUEALA SCHWÄRZLER
Am Wasser

Harder Literaturpreis 2020
SONJA M. SCHULTZ
Luke 5

Förderpreis
JOACHIM OFF
rücklings: leibhaftig

Förderpreis
HELENE PROISSL
am wasser

NICOLE BRAUN
Südfall 1937

 

HENRIETTE DYCKERHOFF

Vera, der Blaue und das Universum

 

MELANIE KOSHMASHRAB

Wir

 

ROMINA PLESCHKO

Land unter

 

CLAUDIA TONDL

Beckenrandgespräche


Am Wasser

Vorwort von Manuela Schwärzler

Blau sollte sie werden, die Sonderausgabe der miromente zum Harder Literaturpreis – darüber waren sich alle schnell einig, lautete doch das Thema der Ausschreibung »Am Wasser«. Und im schönen türkisblauen Umschlag, halten Sie, liebe Leser*innen, diese Ausgabe nun in Ihren Händen.

Wie so ziemlich alles im österreichischen Kulturbetrieb ab März 2020 war auch die Verleihung des Harder Literaturpreises und die Herausgabe der dazugehörigen Publikation ungewöhnlich und mit völlig neuen Fragen und Herausforderungen verbunden. Ein Glück, dass die Jurytätigkeit bereits in vollem Gange und die Jurymitglieder höchst motiviert waren, als die Coronakrise in Europa ausbrach. Ein Glück, dass schnell klar war: Der Preis wird vergeben, notfalls auch ohne Festakt und ohne Festival. Was zunächst als unwahrscheinlicher worst case angedacht war, wurde bald unausweichliche Realität: Weder die festliche Preisverleihung noch das darauf folgende Literaturfestival hardcover konnten wie geplant Mitte Mai stattfinden. Das vielleicht größte Glück jedoch bringt das Wesen der Literatur mit sich: Sie ist nicht nur virenresistent, sie trotzt auch sämtlichen Maßnahmen und lässt sich in Zeiten von social distancing völlig uneingeschränkt genießen.

Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie die drei prämierten Texte sowie fünf weitere bemerkenswerte Beiträge zum aus- geschriebenen Thema »Am Wasser«. Dieses Mal waren interessierte Autorinnen und Autoren aufgefordert, Geschichten und Stimmungen einzufangen, die eine Verbindung mit Wasser oder der Lage am Wasser aufzeigen.

Der Hintergrund dafür ist nicht schwer zu erraten: Für die Marktgemeinde Hard, die 1983 den Literaturpreis ins Leben gerufen hat, ist die Lage am Bodensee prägend.

Ob Geschichte, Wirtschaft oder Leben und Alltag der Bürgerinnen und Bürger – in allen Bereichen ist die Bedeutung des Sees, des Wassers zu erkennen.

Fast 700 Einsendungen, genau 688, sind rechtzeitig eingelangt und haben sich auf unterschiedliche Weise dem Thema genähert. Den Hauptpreis erhielt Sonja M. Schultz für ihren Text Luke 5, in dem ein Hafenarbeiter seine Erinnerungen an die titelgebende Kaschemme und ihre Besucher preisgibt und dabei sowohl die Grobheit des Umfelds als auch Feingefühl für die Menschen zeigt. Die beiden Förderpreise wurden Helene Proißl für am wasser und Joachim Off für rücklings: leibhaftig zugesprochen. am wasser beweist eindrucksvolle Sprachkunst und nimmt uns mit auf eine außergewöhnliche Urlaubsreise, rücklings: leibhaftig hingegen widmet sich einem weit- aus brisanteren Thema, dem Mord aus Mitleid, und erspart weder dem mordenden Altenpfleger noch uns Leser*innen
das moralische Dilemma.

Wir gratulieren den Preisträger*innen sowie den Autor*innen der hier versammelten Texte und wünschen eine anregende Lektüre!